Ich mieser kleiner Erbsenzaehler

Gleich jedem anderen Wesen auf diesem Planeten, dessen zerbebrale Leistungsfaehigkeit die eines handelsueblichen Toasters in der Regel uebersteigt (landlaeufig verschrieen unter Homo sapiens sapiens), froehne ich einem Fetisch…

Nun lasse ich mich nicht lederbemantelt mit pinken Honigpeitschen durch einen Schweinestall jagen oder nenne ich gar einen Schrebergarten mein eigen. Nein… es gibt schliesslich Grenzen – und wenn es nur die selbst gesteckten sind.

Innerhalb dieser jedoch pflege ich eine Eigenart, die ab und an nicht zu Unrecht als ‚Korinthenkackerei‘ betitelt wird. Sie gilt geschriebenem, wie gesprochenem Wortwerk.
Ich fuehrte dereinst ja schon einmal aus, dass ich die rechtschreibliche, sowie grammatische Gestaltung in Eigenregie vornehme, so sie meinem Auge wohlgefaellig erscheint. ‚ae‘, ‚oe‘ und ‚ue‘ stellen dabei nur einen Teil jener hoechst subjektiven Kriterien dar. Einige Passagen strotzen nur so vor Anglizismen und Wortbahrung geistiger Widerlichkeit, waehrend sie von mir an anderer Stelle kategorisch vermieden werden. Nun gut… Logik machte ich nicht unbedingt zum granitenen Fundament (sic) meiner Schreibweise.

Dies aber nur vorweg. Weniger eine Entschuldigung, als vielmehr ungefaehres Gefuehl moechte ich mit diesen einleitenden Worten vermitteln, wenn ich hiernach auf Phrasen und Woerter des Alltags Bezug nehme, die – gleichwohl sie in stetem Gebrauch zu finden sind – mich nur all zu haeufig enervieren.
Oft sind es weniger die Worte selbst, als viel mehr der unflektierte Kontext und die ahnungslose Leichtigkeit in deren Zusammenhang sie den Eingang in Myriaden von Texten, Monologen, Dialogen, Vortraegen, Reportagen, etc. finden.

Um ins Detail zu gehen, widme ich mich an dieser Stelle einem Wort, welches mir in der Regel das Gefieder straeuben laesst (respektive lassen wuerde, so ich eines besaesze).
Es handelt sich um den oder die vielfach zitierten ‚Experten‘.
Wer dieses Wort aus der Versenkung verstaubter Lateinstunden emporschaufelte, gehoert in meinen Augen mit einem Duden erschlagen.
Warum ich mich so echauffiere? Nun… ueberlegen wir einmal, was ein Experte ist. Welche Qualifikation hat man vorzuweisen, um als selbiger zu gelten? Ist es ein Titel, uebertrag- oder vererbbar gar? Kennzeichnet er einen bestimmten Schlag von Individuen?
Bis auf die letzte Frage, lassen sich alle vorangegangenen nur negativ beantworten.

Der Experte ist – meiner subjektiven Auffassung nach – ein Wesen, welches sich einer der schwammigsten Betitelungen seiner selbst bedient oder diese von anderen in zweifelhafter Absicht verliehen bekommt, um dumpf und kaum verhohlen, kaschieren zu wollen, dass es hier zu keinerlei – wie auch immer gearteten – Vorbildung, betreffs eines bestimmten Wissens- oder Schaffensgebietes gekommen ist, dessen sich nun selbiges Wesen gegenueber aus bornierter Selbstueberschaetzung heraus in der Lage zu sehen scheint, wie auch immer geartete Meinungsfaeake abzusondern.
Ob diese nun tatsaechlich Relevanz zum eigentlichen Sachverhalt aufweist und/oder richtg oder falsch ist, ist hierbei zunaechst mindestens zweitrangig.
Geadelt mit einem Titel, dessen Huelle so duennhaeutig und hohl ist, wie jene die sich gern darin geschmueckt sehen oder andere damit benamsen, latschen sie gefragt wie ungefragt in Diskussionsrunden, Mikrofone, Feuilletons, und auch sonst ueberall dahin, wo die Medienwelt nach schaler Bestaetigung nebuloeser Fakten geiert oder Fachkompetenz vorgaukeln mag.
So huellt man sich ohne dem Beweis der eignen Zurechnungsfaehigkeit (sowohl auf Seiten der den ‚Experten‘ Beauftragenden als auch auf der des ‚Experten‘ Seienden) in eine Wolke zweifelhafter Wissens- und/oder Schaffenspotenz die all zu oft verpufft, so man ihr staerker auf den Zahn fuehlt.

Aergerlich wird’s vor allem dann, wenn tatsaechlich ein Mensch seine Meinung kundtut, der vielleicht gar wirklich weiss, wovon er/sie spricht. Aber nein, wir kauen dem konsumierenden Mob lieber alles vor und mahlen Begriffe wie ‚Fachmann‘, ‚Wissenschaftler‘, ‚Sachverstaendiger‘ etc. zu einem einheitlichen Brei unkenntlicher Masse zusammen, um durch sie ein viel zu kleines und instabiles Fundament moerteln zu wollen, auf dem sich eine Schar von Freaks, wahllos aus der Menge gefischter geistesgestoerter Irrer oder noch schlimmerem biologischen Sondermuell die Plattfuesse in den Bauch steht und altklug redundanten Mist von sich gibt.
‚Wetterexperte‘, statt Meteorologe; ‚Rechtsexperte‘, statt Jurist; ‚Jugendexperte‘, statt Idiot… die Liste liesze sich beliebig fortsetzen.
Und ja, ich bin polemisch, was dieses Thema anbetrifft. Es blaeht mich gewaltig an, dass hierzulande – aber auch andernorts – jeder das Maul aufreisst, dem oder der die Aufnahmegeraete und Schreibbloecke entgegenschwenken.

Denn es endet ja nicht darin, dass diese Kretins den Sauerstoff verbrauchen, den sie nicht verdienen. Nein… Phase Zwei dieser eingefahrenen Idiotie besteht darin, dass sich ein ungleich groesserer Haufen Intelligenzabstinenzler nach diesem abgesonderten Dreck richtet und – in etwaiger Stellung – zumeist nicht nur darauf beruft, sondern gar Dekrete oder Gesetze erlaesst; ein Zustand der unertraeglich ist und dennoch unentwegt anhaelt, kumuliert und immer wieder dann wie eine Geschwulst aufplatzt, wenn mal doch nicht alles so rund gelaufen ist, wie sattsam behauptet wurde.
Es ist zur Normalitaet mutiert, das sich Opa Heinz zum Rentenexperten gemausert hat, nur weil er selbige bezieht oder Minister XY Experte fuer Killerspiele zu meinen scheint, nur weil er ‚Killerspiele‘ fehlerfrei diktieren kann. Widerlich.

Es aergert mich auch dahingehend, dass ich mich dadurch dergestalt drueber aufrege, dass ich – nach erfolgtem Lektorat obiger Zeilen – mich mehrfach dabei erwischt habe, wie ich den groszen Kamm gezueckt habe und eine konturlose Masse uber selbigen geschoren habe.
Naja, obwohl… werd ich halt zum Blogexperten, dass haelt sicher auch die Gewissensbisse klein.

So long.

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