Grand Prix de la ach leck mich doch

Ich frag mich echt, was sich manch Politiker – ausser Zucker und Milch – sonst noch so in den Kaffee ruehrt.
Der erste Mai ist Stichtag, rotes Tuch, Angstblase und Heilsbringer zugleich. Je nachdem, aus welcher Richtung man dieses Datum betrachte.
Just an diesem Tage wird es allen EU-Mitgliedern – somit auch deren dort geborenen Personen – moeglich sein, sich ueberall in besagtem Einzugsraum niederzulassen, zu arbeiten, in die Luft zu kucken, wo er oder sie moechte.

So weit, so gut. Nichts dagegen einzuwenden, da trotz bestehender Arbeitslosigkeit hierzulande offenbar immer noch Arbeitsstellen verfuegbar sind, generiert werden, oder ganze Betriebe aus dem Boden gestampft werden und lebensfaehig sind.
Interessant ist nur, dass sofort aus jedem wie auch immer gearteten Lager aus den unterschiedlichsten Gruenden gezetert wird, was das Zeug haelt.
Schreikinder nennt man sowas, wenn sie frisch auf die Welt kommen und ohne Grund die Bude zusammenbruellen, und auch nach Versorgung mit Milch (Zuschuesse) und/oder wie auch immer gearteter Beschaeftigung (Zuwendung) nicht in der Lage sind, die Fresse zu halten.

Nun wird ja gemunkelt, dass sich die geistige Muendigkeit mit fortschreitender Lebenswegbewaeltigung mehr oder minder ausbildet. Das gegebene Umstaende und Rahmenbedingungen als solche realisiert werden und diese in die Ueberlegungen ueber die zukuenftige eigne Vorgehensweise mit einfliessen.

Dem gegenueber steht – einem Volkssport gleich – in germanischen Breiten die laute Suche nach einem Deppen, dem ich Schuld, Verantwortung und Arbeit fuer meine Probleme aufhalsen kann.

So auch in diesem Fall. Es wird von Skeptikern Lohndumping befuerchtet, ein expotentieller Anstieg der Schwarzarbeit, kulturelle Diversifikation bis zur Unkenntlichkeit, und und und.

Blauaeugig wird auf der anderen Seite von Chancen der industriellen Prosperitaet, kulturellen Bereicherung und Toleranz sowie einer vollstaendigen Ausschoepfung vorhandener Arbeitsmoeglichkeiten argumentiert.

Mein Leben auf dem Schachbrett. Alles schoen Schwarz und Weiss und jede Figur bewegt sich auf gegebenen Bahnen – ein herrlich einfaches Weltbild. Tut auch beim drueber Nachdenken nicht so weh.

Rethorische Gipfel erklimmen dabei Politiker wie die Leyenursel (ein Begriff, den ich mir schuetzen lassen sollte). Sie wirft mir montags im ZDF-Morgenmagazin Phrasen in die Mueslischuessel, die selbige dadurch in ihrem Naehrwert auf die gleiche Stufe wie einen gesalzenen Backstein herabsetzen.
„Freizuegigkeit gaebe es nur im Niedriglohnbereich“ & „die Riesenchance [der Bundesregierung] uns sozial zu flankieren“.

Ist „Niedriglohnbereich“ jetzt das neue Synonym fuer „Bundesrepublik“, oder wie darf ich den ersten Teil verstehen? Ein Land, dass sich auf Kosten aller EU-Mitglieder ruehmt, beim Export-Pimmelvergleich den groessten Schwanz auf den Schreibtisch klatschen zu koennen, nur weil seit – inzwischen Jahrzehnten – Lohndumping betrieben wird, haelt diesen Status doch inzwischen in allen Beschaeftigungszweigen parat.

Das zweite Fragment, welches ich so lax aus dem Zusammenhang riss (welcher Zusammenhang… sic) ist auch wieder so ein Beispiel, dass Kompetenz leider all zu oft diametral der Praesenz gegenueber steht. Gibt sich ja auch oft die Muehe, ins Bild zu hopsen, das Urselchen.
Denn wie soll ich’s anders verstehen, dass hier, einer botoxgestaehlten Grinsekatze gleich, alle Fakten ins Friede-Freude-Eierkuchenland gekippt werden?

Wenn’s tatsaechlich eine „Riesenchance“ fuer unser Land im Sozialen ist, dann war sicherlich auch das Erdbeben in Japan eine Riesenchance fuer die dortig Ansaessigen, gut gelaunt topologische und urbane Einzugsgebiete neu zu gestalten. Wahrscheinlich haben sich auch alle drauf gefreut!
Geschmacklos? Ich glaube nicht, dass es geschmacklos ist, Vergleiche anzustellen, wenn es um soziale Umformungen und deren oeffentliche Bagatellisierung geht.

Dabei geht’s mir nicht mal um die Frau, die frueher offenkundig dem Glauben erlag, mit jedem weiteren Kind gibt’s Vielfliegermeilen. Egal, welche Politbirne hierzulande befragt wird, kristallisieren sich doch zwei Zustaende heraus.

Betrifft’s denjenigen, wird relativiert, dass jeder Physiker seine helle Freude an soviel Faktenentropie haette.
Gehoert er aber zu den grossen Aufdeckern, nagelt er eine bunte tibetische Gebetsmuehle vor jedes Medienorgan, damit er/sie/es mitteilen kann, wie schlimm „die anderen“ doch sind.

Ankreiden, heucheln und luegen. Petzen und abstreiten. Letztlich steht fuer mich nur die Frage im Raum, wie weit man sich eigentlich prostituieren muss, um diesem ganzen Zirkus anzugehoeren. Ist’s Bedingung oder kommt’s von selbst?

Um dem konsequent zu begegnen, muesste man eigentlich in die naechste Fussgaengerzone gehen, die Hosen runterlassen und bei moeglichst viel Publikum auf den Boden scheissen. Die darauf folgenden Reaktionen sind wahrscheinlich nicht die angenehmsten, aber zumindest sind sie ehrlich.

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