So schoen, schoen war die Zeit…

Frueher war ja alles besser. Ist nicht eine der schoensten Platitueden, die in diesem Satz ihr zu Hause gefunden hat?
Thema Eurokrise. Unabhaengig davon, dass das Konstrukt ‚Euro‘ ein debiles ist (zumindest vom Kerne her), sind doch viele gewillt, die D-Mark wieder als gueltiges Zahulungsmittel etablieren zu wollen.
Noch ein Schritt zurueck und manch einer wuenscht sich – auf beiden Seiten – die Mauer zurueck. Die einen, weil sie vor der buckligen Ossi-Verwandschaft die Schnauze voll haben, die anderen, weil sie nicht laenger die Buckligen der Verwandschaft sein wollen und es mal wieder kuschlig hinterm Zaun moechten.

Oder fragen wir die Altvorderen. Oma und Opa bekommen schon gern mal einen glasigen Blick, wenn sie an die ‚gute alte Zeit‘ denken, als noch ‚Ordnung & Benimm‘ in der gleichgerichteten Volksmasse vorherrschte und die Promis noch in cholerischen Anfaellen die Mikrofone zusammenbruellten, wie es heutzutage selbst der enthusiastischste Death-Metal-Scherge nur unter Schmerzen hinbekommt.

So geht die Riege derer, die das Gestern auf die Fahne der Gegenwart und Zukunft geschrieben haben immer weiter den Strudel nach unten. Eigentlich koennen wir dankbar sein, dass Menschen irgendwann von selbst abkratzen, sonst wuerden sie heute reihenweise erschlagen, weil „doch der Faustkeil eigentlich ‚ne super Sache“ war und „Hexenverbrennungen noch zum gemuetlichen Beisammensein im Fackelschein“ zelebriert wuerden.

Aber warum diese Antipathie jener Verlorenen und Vertraeumten? Weil es der Menschen zueigen war/ist/sein wird, solcherlei abstruse Ueberlegungen auch in Zukunft anzustellen.
„Ach ‚ne, wat war das schoen, wie damals der Willy und die Kate…“
„Frueher gab’s noch richtige Spam-Mail, die man noch von Hand loeschen musste!“
„Jaja, die Krise hat uns damals richtig zusammengeschweisst.“
„Wir haben ja noch richtige Programme installiert, mit Dateien, die man sehen konnte… inkl. Dateiendung. Ihr jungen Leute von heute fingert doch bestenfalls dem Liebchen im Schritt und wundert euch, dass ihr dabei diverse Apps bei ihr umsortiert!“
„Das waren noch Zeiten, als Politiker noch gewaehlt wurden und noch nicht wieder per Erbfolge in ihr Amt kamen.“

Vor solchen Saetzen graut mir. Das diese Gegenwart, zu etwas stilisiert wird, dem sie nicht gerecht wird, weil die Demenz uns in die gnaedigen Arme schliesst und einfach nur jene Szenen und Eindruecke bewahrt, die uns positiv gefaerbt noch bis zur Bahre begleiten werden.
Aber die Natur wird sich schon was dabei gedacht haben (soviel zum Thema Platitueden), dass Erinnerungsluecken generell mit Zucker verharzt werden, um letztlich zu verhindern das wir unentwegt den Kopf schreiend vor die Moebelmasse der schattigen Mietwohnung donnern.

Das heute als gestern von morgen. Getreu Rainald Grebe, der anno letztlich orakelte, dass es „heute so schoen ist, wie es niemals mehr werden wird“.
Dem eingedenk muss ich schon laut mit der Eichenkeule die Luft umruehren, um den Pessimisten in mir nieder zu kaempfen, der da meint „dann koemmer’s ja auch gleich lassen… such die mal einen huebschen Strick“.
Nur… wer koennte es jenem schizoiden Gedanken in mir veruebeln, angesichts der Tatsache, dass die Murmel, auf der wir hausen durch selbstgestrickte Faehrnisse zunehmend lebensfeindlicher wird?

Ich kann’s. Ist ja meiner. So weigere ich mich standhaft, den „Frueher-Bruedern“ und ihren Skandierungen mehr abzugewinnen, als Kohlendioxidausstoss, der uns ja so viel auch nicht bringt.
Fakt ist, das Loch, dem wir uns vornebeln, entfliehen zu wollen, oder das in Relation zu vermeintlich Geschehenem gesetzt wird, ist zu allererst ein selbst geschaufeltes und offenkundig laesst sich aus dessen echoiger Mitte eine Unzahl obsoleter Worthuelsen hervorruelpsen.

Um tatsaechlich was am Quell der Unbill zu aendern, welche letztlich dererlei Phrasen hervorbrachte, ist indes eventuell mehr noetig, als unflektiert mit allem und jedem unzufrieden zu sein, ohne die daraus logische Konsequenz zur Handlung abzuleiten. Ist ja auch bequemer so.

Gestern, heute und in Zukunft.

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