Eiersalat

Es war so weit. Ich hab mich mal wieder vom Digitalknochenverkaeufer meines Vertrau… meiner Gewohnheit beschwatzen lassen und verlaengerte die Leine, mit der er mich fuer zwei weitere Jahre durch die telefonische Welt begleitet. Wer hier wem den groesseren Gefallen tut, sei mal dahingestellt.

So immanent wichtig, wie die Frage nach dem passenden Tarif, war auch die Wahl besagten Knochens, den ich mir wie ein friedlich gestoertes Mitglied dieser gesellschaft an die Hoermuschel (links) druecken sollte.
Meine Wahl fiel auf den allseits polarisierenden Obstlogotempel, der den Initiierten in die bluetenreine Technikwelt fuehrt und neben der Absolution auch gleich den Heiligenschein und Omnipotenz im Bundle (ein Wort, fuer das ich mir schon gern mal gluehende Stopfnadeln durchs Trommelfell schiebe) mit der frisch erworbenen Loetzinn-Glas-Metallmelange verschachert.

So wie meine Ohrapfeltasche hier eintraf, lies ich – noch vor der Stoeberei im geradezu grotesk ueberbordenden Appstore – die schlanke Scheiblette durch die Haende und ueber die Haut in die Hosentasche, dem Gemaechte parallel gleiten. Zu meiner Enttaeuschung kam es zu keinerlei orgastischen Verzueckungen, und auch die Manneskraft erhoehte sich nicht schlagartig.

Ein Fehlkauf? Nein. So leicht wollte ich nicht aufgeben. Flugs fingerte ich durch den weiter oben schon sanft touchierten Schtore – wie der Schwabe muendelt – und installierte mir, was die verkorkste Fantasie meiner Person hergab. Einem Videospiele gleich betrachtete ich mich dabei selbst aus einer Art Vogelperspektive und wunderte mich eins ums andere, dass es schwer bis unmoeglich war, selbst allergroessten Bloedsinn NICHT zu finden.

Denken wir doch einmal drueber nach. Verquaste Sachen, kann sich ja jeder ueberlegen, aber daraus ein Programm zu machen, ARBEIT zu investieren, nur damit einen moeglichst viele Individuen fuer bescheuert halten. Zeugt dies von einer destruktiven Einstellung zu sich selbst oder der klaeglichen Sucht nach Aufmerksamkeit in einer Welt, die den Schwachsinn zelebriert und beim Sinn gern mal weiterschaltet?

Dann schwenkt mein imaginaeres Auge auf die Historie dieser Entwicklung.
Eine Firma – irrelevant, ob durchseucht von friedfertigen Technikjuengern oder heimlichen fanatischen Sektierern – entwickelt ein Produkt das die einen gern in den See werfen wuerden und andere mit dem Weihrauchschwenker umtanzen. Fuer sich genommen ist jenes Produkt das Ergebnis langjaehriger Geistiger Konzeptionen, sozialer Gefuege, der industriellen Revolution, kantscher Imperative und und und.

Es kommt auf den Markt. Was geschieht dann? Der Spieltrieb der Debilen entjungfert es noch am selben Tag. Dafuer gibt’s dann ‚gefaellt mir‘-Speichelleckerei auch der naechsten Meinungsmuellhalde.
Auffallen um jeden Preis und weit ueber die Selbstverleugnung und Intelligenznegierung hinaus.

Dabei ist’s gleichfalls Wurscht, wer dieses Stueck Technik in die Welt warf, auf dass es sich prostituiere. Allerorten wird mit gleichen Konzepten unterschiedlichster Hersteller gelockt und gepriesen. Es geht zu wie auf dem Hamburger Fischmarkt, nur dass neben jedem Haendler noch ein Anwalt steht, der Mittel und Wege sucht, die ‚olle Matjes-Moni‘ von gegenueber aus dem Geschaeft zu draengen oder wenigstens Teile ihres Standes mit dem eigenen Fischmehl zu bestuecken.

Zurueck zu meinem kleinen Geldvernichter. Ich nutz es nun, tausche mich mit Bekloppten ueber Beklopptes aus und ergebe mich in mein Schicksal als Lakai des Voranschreitens dieser Entwicklung (Gesellschaft will ich es nicht nennen).

Nur ganz am Rande… unlaengst wurde ich einer Quaeke gewahr, welche als sogenanntes ‚Outdoor-Handy‘ angepriesen wurde. Dazu kann ich nichts mehr sagen. Der Irrsinn hat den stahlharten Boden der Realitaet laut und scheppernd durchschlagend und ein Ende der Fahrt ins Dunkel weit unter uns ist noch nicht abzusehen.

Leute wie ich geben ihm das Geleit, in der stillen Hoffnung, dass es nicht das letzte sei.

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